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Gemeinderat, 40. Sitzung vom 28.06.2023, Wörtliches Protokoll  -  Seite 36 von 102

 

geschrieben haben. Da gibt es gar nichts, also offensichtlich auch nicht die entsprechende Forderung. Transparent jedenfalls sind die Kulturförderungen nach wie vor nicht.

 

Dann der nächste Punkt: Musikschulen. Mein Kollege hat schon sehr umfangreich ausgeführt, wie wichtig die Musik im Leben vor allem auch junger Menschen ist. Musik ist ein Brückenbauer, Musik ist ein wesentlicher Bestandteil der Integration, die Nachwuchsförderung ist extrem wichtig. Wien ist nach wie vor die Musikhauptstadt. Wir wissen zum Beispiel, im Musikverein, das betrifft jetzt Wien als Kulturstadt, warten Sie 15 Jahre auf ein philharmonisches Abo.

 

Das beste Orchester der Welt sind die Wiener Philharmoniker, aber die brauchen Nachwuchs und dieser Nachwuchs sollte, wenn möglich, in Wien heran- und aufgezogen werden. Dazu bedarf es der Musikschulen. Der Einzelunterricht und das Fördern von Talenten ist da ein ganz wesentlicher Bestandteil, da reichen die Musikklassen, die es gibt und es ist auch gut, dass es das gibt, einfach nicht aus. Es ist eigentlich beschämend, dass Wien nach wie vor eine Musikhauptstadt ist, wo nicht jeder Bezirk eine eigene Musikschule hat.

 

Es ist ja auch ein wesentlicher Einkommensbestandteil dieser Stadt, dass man Wien als Kulturstadt verkauft. Ich möchte da einen Blick über die Grenzen von Österreich machen, und zwar nach Venedig. Ich bin seit Jahren regelmäßiger Besucher der Biennale in Venedig, sowohl der Architekturbiennale als auch der Kunstbiennale. Im Jahr 2022, ich habe mir das angeschaut, ging die Kunstbiennale mit Rekordzahlen zu Ende, Zahlen, die es davor noch nie gab. 800.000 Besucherinnen und Besucher, die Biennale ist die größte Ausstellung von Gegenwartkunst in Europa. Was ich damit sagen will, ist: Die Menschen sind interessiert an Kultur. 30 Prozent der Tickets gingen an junge Menschen. Junge Menschen sind interessiert an Kultur, an Gegenwartkultur. Man muss ihnen einfach nur auch das richtige Programm bieten, damit sie kommen.

 

Kultur darf nicht exklusiv sein, nämlich weder, was die Künstler anbelangt, noch, was das Publikum anbelangt. Kultur muss inklusiv sein, für Kulturschaffende, aber auch für das Publikum. Und da müssen wir uns für Wien etwas mitnehmen. Wir haben die Wiener Festwochen, wir haben den ImpulsTanz, aber welche Ideen können wir von dieser wirklich tollen Veranstaltung, von dieser Biennale in Venedig allenfalls nach Wien holen? Was ich auf jeden Fall mitnehme oder was ich auch mitgebe, ist: Kunst braucht Publikum. Kunst hinter verschlossenen Türen und Kunst ohne Publikum ist aus meiner Sicht einfach keine gute Kunst. (Beifall bei der FPÖ und von GR Wolfgang Kieslich.)

 

Und da möchte ich an die Theater anknüpfen. Unlängst war ein ORF-Bericht über die Josefstadt, die ganz offensichtlich dieses Gebot nicht beherzigt, dass Kunst Publikum braucht, denn es gibt kaum mehr Abonnenten. Das ist sicherlich nicht nur Corona, sondern man muss es sich vielleicht einmal aus der Sicht des Rezipienten, des Publikums, vorstellen. Denen gefällt einfach nicht, was geboten wird, und ich glaube auch, da muss man sich dann schon etwas überlegen. Wenn man wie bei der Biennale 800.000 Menschen, 30 Prozent davon junge Leute, anlocken will, muss man ihnen einfach etwas bieten. Was man derzeit der Josefstadt bietet, ist eine Subventionserhöhung. Ich glaube, dass das nicht der richtige Weg ist, sondern ich glaube, dass es wichtig wäre, dass man einfach die Theaterlandschaft in Wien, und da spielt natürlich auch das Volkstheater mit, einmal strukturiert und dass man es nicht vom Kopf her, von den Theaterdirektoren angeht, sondern einfach einmal vom Publikum.

 

Wien hat natürlich nicht nur Wiener Theater, sondern hat auch Bundestheater, und da wäre es wichtig, dass Sie sich, Frau Stadträtin, vielleicht einmal mit dem Burgtheater austauschen, vielleicht geht es mit Herrn Bachmann etwas einfacher als mit Herrn Kušej. Jedes Theater sollte auch für etwas stehen. Da geht es überhaupt nicht darum, dass man sagt, man will bestimmte Programme nicht, aber auch dem Publikum muss man die Möglichkeit geben, zu wissen, in welchem Theater sie was erwartet.

 

Man muss einfach mehr auf das Publikum eingehen und das Publikum bei der Diskussion, wie man das Profil eines Theaters schärft, mitnehmen, vor allem, wenn man sieht, dass die Besucherzahlen ausbleiben. Da müssten die Alarmglocken läuten. Da kann man nicht sagen, na, wir subventionieren einfach mehr, wir geben die Karten gratis her, und dennoch bleibt das Publikum aus. Da läuft ja irgendetwas falsch. Man kann nicht einfach sehenden Auges zusehen und sagen, wurscht, wir buttern noch mehr rein, wir buttern noch mehr rein. Da braucht es einfach einmal einen Perspektivenwechsel, das wäre vielleicht gar nicht so schlecht, und das insbesondere bei subventionierter Kunst. Das ist halt einmal Kunst, die auch vom Steuerzahler finanziert wird, und jeder Steuerzahler hat auch das Recht, dass das Geld, das er investiert oder das über die Kulturinstitutionen investiert wird, auch beim Steuerzahler, sprich, beim Publikum, ankommt.

 

Das ist schon ein wesentlicher Bereich. Kunst ist ja kein Selbstzweck, sondern es geht genau darum, an das Publikum anzudocken, das Publikum mitzunehmen, das Publikum zu erreichen. Wenn man sieht, das funktioniert nicht, dann muss man einfach die Reißleine ziehen, und da ist es einfach notwendig, das Publikum mitzunehmen. Definieren Sie Schwerpunkte, Schwerpunkttheater! Ich halte das für eine gute Sache. Das ist letztendlich wie bei den Festwochen. Die Festwochen waren ja früher international sehr begehrt, neue Theaterpremieren, es war einfach klar, wofür sie standen - wie ziehe ich internationales Publikum an - und genau deshalb kam das Publikum. Ich glaube, das ist nach wie vor ganz wichtig. Nicht das Publikum ist träge und nicht das Publikum ist schuld an den rückläufigen Zahlen, sondern einfach das, was geboten wird. Da bitte muss man ansetzen.

 

Deshalb vielleicht ganz am Schluss noch einmal mein Appell für Transparenz, liebe Frau Stadträtin. Das, was Sie sich 2018 vorgenommen haben, ich weiß, ist schwierig, wer immer da im Wege steht, das ist das Bohren harter Bretter. Bitte geben Sie nicht auf und versuchen Sie, mehr Transparenz auch in den Kulturausschuss zu bringen. Und, Frau Stadträtin, bitte vergessen Sie mir die Musikschulen nicht! Danke. (Beifall bei der FPÖ und von GR Wolfgang Kieslich.)

 

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