Gemeinderat,
35. Sitzung vom 23.06.2008, Wörtliches Protokoll - Seite 74 von 126
erheiternder Teil ist das Kapitel „Wozu Wissenschaft heute?", in dem die WissenschafterInnen der Jahre 1994 bis 2007 vorgestellt werden. Das sind alles sehr honorige und ehrenwerte WissenschafterInnen mit sehr, sehr großem Einfluss auf die Wissenschaftspolitik und die Wissenschaft in Wien. Nur wenn man sich das ansieht, so muss man schon feststellen, dass offensichtlich hier die Männer nach wie vor in der Mehrheit sind, denn von 1994 bis 2000 gibt es sechs Wissenschafter des Jahres, im Jahr 2000 kommt dann die erste Frau, dann kommt wieder ein Mann, dann kommt wieder eine Frau, dann sind bis 2005 wieder nur Männer, dann kommt wieder eine Frau.
Auch bei den Wiener Wissenschafts- und
ForschungspreisträgerInnen ergibt sich ein ähnliches Bild, und ich glaube, dass
das sehr, sehr gut aufzeigt, wo es hapert in der Wissenschaft, dass wir einen
Aufholbedarf haben an Förderung von Frauen, an Sichtbarmachung von
Wissenschafterinnen und Forscherinnen, die in diesem Bereich tätig sind, denn
sonst könnte es ja 2007 nicht dieses sehr, sehr traurige Bild geben, dass
eigentlich sehr viele Männer mit diesen Preisen ausgezeichnet werden, aber die
sehr, sehr guten Frauen dann doch immer wieder nicht so in den Vordergrund von
Preisverleihungen und anderen Würdigungen treten.
Wir haben zwar bei den Stipendien, wie ich im
Kulturbericht nachlesen konnte, einen Überhang, denn die meisten Stipendien,
die vergeben werden, gehen an Frauen, trotzdem glaube ich, dass das nicht reicht.
Wir brauchen da auch von Wien ein sichtbares Zeichen an die Frauen, an die
jungen Frauen, die in der Wissenschaft tätig sind, dass sie hier Gutes tun und
dass sie auch darüber sprechen sollen. Denn das ist nach wie vor, glaube ich,
auch ein Problem, dass die Frauen sich zurückhalten bei Publikationen, sodass
dann doch die Männer vorne stehen und nicht die Frauen, und so weiter und so
fort.
Wir brauchen diese Role Models in der Wissenschaft,
wir brauchen sie vor allem, um jungen Mädchen und jungen Frauen Mut zu machen,
in die Wissenschaft und in die Forschung zu gehen und nicht in die so genannten
frauentypischen Berufe oder auch in die frauentypischen Wissenschaftszweige zu
gehen, damit sie hier auch wirklich sichtbar sind.
Zu einem weiteren Kapitel des umfangreichen
Wissenschaftsberichtes. Auf Seite 187, wo das Kapitel „Stadt – Verwaltung
– Wissenschaft" angeführt ist, wird erwähnt, dass sich immer mehr
Magistratsabteilungen und die Stadtverwaltung in die Zusammenarbeit mit natur-,
kultur-, gesellschafts- und wirtschaftswissenswirtschaftlichen ForscherInnen
begeben und dass sich hier einiges tut. Das ist wichtig und das ist gut, denn
ich habe vor einigen Jahren an jeden Stadtrat und jede Stadträtin eine Anfrage
gestellt, wie viele Forschungsaufträge sie vergeben. Da waren zwei bis drei
Magistratsabteilungen, die damals geantwortet haben – sehr umfangreich, am
umfangreichsten der Herr VBgm Rieder –, was sie denn nicht alles an
Forschungsaufträgen vergeben. Mittlerweile sind es mehrere Magistratsabteilungen
geworden, aber Magistratsabteilungen wie die Magistratsabteilung 10 oder
auch die Magistratsabteilung 11, die Magistratsabteilung 15 oder auch
40, die haben offensichtlich keine Zusammenarbeit mit Forschungseinrichtungen,
mit WissenschafterInnen. Ich glaube, dass genau in diesen Bereichen aber sehr
wohl eine wissenschaftliche Auseinandersetzung mit den Herausforderungen, die
auf diese Stadt zukommen, sehr, sehr wichtig wäre, und ich hoffe, dass das
Bestreben, dass die Magistratsabteilungen mehr mit Forschung und Wissenschaft
zusammenarbeiten, weitergeht und wir dann in diesem Bericht alle
Magistratsabteilungen aufgelistet haben, wie sie hier arbeiten. (Beifall bei den GRÜNEN.)
Ich gebe zu, bei Seite 278 habe ich aufgehört zu
lesen, weil ich dann drankam mit Redebeiträgen. Hier fehlen mir dann, glaube
ich, noch ungefähr 50 Seiten, die werde ich jetzt im Laufe des Tages noch
lesen. Trotzdem glaube ich, dass es schade ist, dass wir den Bericht erst heute
bekommen haben, und denke, man sollte sich für die Zukunft ernsthaft überlegen,
ob es nicht früher möglich wäre.
Zu einem anderen Bereich, der in den letzten Tagen,
mittlerweile schon zwei Wochen, für Aufruhr bei manchen in der
wissenschaftlichen Community geführt hat, und das war die Novelle zum
Universitätsgesetz des Wissenschaftsministers Hahn. Jedem Wissenschaftsminister
seine Universitätsgesetznovelle. Mittlerweile, also in den Jahren, seit ich das
verfolge, hat, glaube ich, jeder Wissenschaftsminister, hat jede
Wissenschaftsministerin das Universitätsgesetz, das UOG und das UG geändert,
verändert, novelliert, immer wieder Novellen herausgebracht, so wie auch jetzt
Bundesminister Hahn.
Doch
diese Novelle, die präsentiert wurde, war sehr, sehr enttäuschend, und dazu
sind hier auch einige Wortmeldungen gekommen. Was sich die Studierenden, aber
auch andere Universitätsangehörige erwartet hätten und was auch im
Regierungsübereinkommen stand, war nämlich, dass hier für mehr Mitbestimmung
gesorgt wird an den Universitäten, dass für junge WissenschafterInnen Modelle
überlegt werden sollten, wie sie Karriere machen können, aber auch, wie die
Studienbedingungen verbessert werden können. Diese Novelle liegt jetzt also auf
dem Tisch, und genau von diesen drei Punkten findet sich nichts darin. Im
Gegenteil! Es kommt zu Verschärfungen in den Zugangsbedingungen bei den
Master-Studien, was im Sinne der Steigerung der AkademikerInnenquote sehr, sehr
kontraproduktiv ist, denn wir wissen, dass Österreich da an letzter Stelle ist,
und es ist auch nicht ganz nachzuvollziehen – oder vielleicht doch
nachzuvollziehen, wenn man weiß, aus welcher Partei der Minister Hahn kommt –,
dass die Leitungsgremien neu geordnet werden und die Machtverschiebung an den
Universitäten wieder in eine unserer Meinung nach falsche Richtung gehen, denn
von Demokratie oder von Mitbestimmung ist hier nur mehr ganz, ganz wenig die
Rede. Man darf dabei sein als Studierendenvertreter, man darf als
Universitätsangehöriger in Gremien sitzen, man wird beigezogen zur Beratung,
aber man hat keine Mitbestimmungsrechte mehr.
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