Gemeinderat,
49. Sitzung vom 22.11.2004, Wörtliches Protokoll - Seite 8 von 123
Drittens: Für das Bau- und Baunebengewerbe wirksam werdende Ausgaben sind im Voranschlag 2005 mit 1,383 Milliarden EUR angesetzt, und auch das liegt nur minimal unter den Rekordmarken der vergangenen Jahre.
Auch damit,
meine sehr geehrten Damen und Herren, bleibt die Stadt 2005 der verlässliche
Partner der Wiener Wirtschaft, aber darüber hinaus, von der Vergabe her
gesehen, natürlich für alle Bereiche der österreichischen Wirtschaft ein
wichtiger Partner.
Ich möchte mit
einem Zitat fortsetzen: „Wien ist heute ein Wirtschafts- und
Arbeitsmarktstandort, um den uns viele beneiden. Wir sind auf der Überholspur.
Unsere Strategie stimmt." – Viele von Ihnen werden an dieser Wortwahl
schon erkennen, das ist nicht ein Zitat von mir, sondern das stammt aus der
Budgetrede des Finanzministers Karl-Heinz Grasser und ist nicht auf Wien,
sondern auf Österreich gemünzt. Aber das, was Grasser hier für Österreich sagt,
stimmt auch für Wien 100-prozentig, muss auch stimmen, wenn er Recht hat, weil
ja Wien der Wirtschaftsmotor der österreichischen Entwicklung ist. (GR Mag Hilmar Kabas: Leider nicht!)
Wien ist der Standort, nicht nur im
Technologiebereich – heute können Sie ja in einer Tageszeitig lesen, welche
Zukunftsperspektiven sich für Wien gerade im Bereich der Biotechnologie, aber
auch in anderen modernen Technologien ergeben (GR Dr Matthias Tschirf: Haben Sie den Artikel ganz gelesen, Herr
Vizebürgermeister?) –, Wien ist auch jenes Bundesland, das die höchste
Kaufkraft hat, und Wien ist jenes Bundesland, das den höchsten Beitrag zum
Finanzaufkommen leistet.
Daher stimmt
das, was der Finanzminister für Österreich sagt, punktgenau auch für Wien. Und
wenn er in seiner Budgetrede eine Reihe von Beispielen gebracht hat, wie die
Betriebsansiedlungen in Österreich in den letzten Jahren zugenommen haben, dann
hat der größte Teil dieser Betriebsansiedlungen in Wien stattgefunden. Diese
Entwicklung bestätigen uns auch ausländische Medien. Ich zitiere aus der
"Welt am Sonntag" vom 9. November. Unter dem Titel "Wien
überflügelt die deutsche Hauptstadt" ist davon die Rede – wörtliches
Zitat: „Wien ist Europas Drehkreuz des Ostens. Über 1°000°internationale
Unternehmen haben sich mit ihren Osteuropazentralen in Österreich
niedergelassen, die meisten davon in Wien. Darunter Alcatel, Coca Cola, Hewlett-Packard, IBM, McDonalds, Renault, Warner Music und
so weiter und so weiter." Also das heißt, wir kriegen dieses Attest nicht
nur aus dem eigenen Bereich bestätigt, sondern auch international.
Und wenn Ihnen
das nicht genügt, ein weiteres Zitat aus der "Zeit" vom 9. Juni
2004, in dem unter dem Titel "Schizophrenes Alpenland" darauf
hingewiesen wir, dass wir Österreicher die meisten Probleme mit der EU-Erweiterung
hatten, zumindest von einer Partei ist da in der Zeitung die Rede, aber auf der
anderen Seite – und das ist der entscheidende Zwischentitel für mein heutiges
Zitat – "Tausende Firmen in Osteuropa von Wien aus gesteuert" werden.
Das heißt, wir haben ja nicht nur die Tatsache, dass es hier in Wien eine
Betriebsansiedelungswelle gibt, sondern wir haben auch die zweite Tatsache,
dass ein Großteil der Wirtschaftsverflechtung in den neuen Beitrittsländern mit
Wiener Firmen stattfindet und wir daher sozusagen doppelt abgesichert sind.
In der Tat,
meine sehr geehrten Damen und Herren, ist unsere Standortstrategie nicht nur
für 2005, sondern über 2005 hinaus, darauf ausgerichtet, die Vorteile unserer
besonderen geopolitischen Lage voll zu nutzen und Wien über diese
Drehkreuzfunktion hinaus zu einem dauerhaften Kompetenzzentrum zu entwickeln:
In Form der wirtschaftlichen Verflechtung, in Form der Netzwerkstrategien
zwischen den Städten und Regionen Zentral- und Osteuropas und durch Forcierung
des Projektes Twin-City Wien-Bratislava. Ich weise darauf hin, dass heute in
den Zeitungen mehrfach darauf hingewiesen ist, dass wir auf der Bundesebene
sozusagen erst bei einem Letter of Intent angelandet sind, um in der wichtigen
Frage der Verkehrsinfrastruktur einen Schritt zu tun. Lesen Sie nach, welche
Kritik hier die Bundesregierung erntet, dass auf diesem Gebiet nicht schon
früher etwas geschehen wäre. Und ich sage: Offenbar ist auch in diesem Bereich
die Stadtregierung die treibende Kraft und leider die Unterstützung der
Bundesregierung sehr nachhaltig zu spät kommend. (Beifall bei der SPÖ.)
Das ist aber
auch, meine sehr geehrten Damen und Herren, eine Frage der
Internationalisierung der Bildung, einer Internationalisierung der
Wissenschaft, und wir werden etwa in den neuen Förderrichtlinien für die
Fachhochschulen in Wien auch diese Internationalisierung unterstreichen.
Meine sehr
geehrten Damen und Herren! Ich komme schon zum Schluss. Im Vorfeld der heutigen
Debatte haben ÖVP und Grüne,
insbesondere GR Margulies, an der äußeren Form der Lesbarkeit und
Verständlichkeit des Voranschlages Kritik geübt. Ich stehe nicht an, mich bei
den Oppositionsparteien zu entschuldigen, wenn ich ihnen das Leben schwerer
gemacht hat, als es sonst das Leben der Opposition schon ist. Natürlich ist die
Verpackung wichtig, und natürlich hat die Wiener ÖVP Recht, dass man in
Verpackungsfragen von Karl-Heinz Grasser noch immer viel lernen kann. Insofern
ist die Anregung der Wiener ÖVP, wir sollen uns am Budget des Bundes
orientieren, sehr interessant. (GR Franz
Ekkamp: Ja, da kann man lernen! – GR Dr Matthias Tschirf: Warum verschleiern
Sie das?)
Allerdings
ist das Budget der Stadt Wien, was den Inhalt betrifft, meine sehr geehrten
Damen und Herren, um Klassen besser, als das, was Karl-Heinz Grasser dem
Parlament vorgelegt hat. Unser Budget ist ein Leistungs- und kein
Kürzungsbudget (GR Dr Matthias
Tschirf: Das ist nicht nachvollziehbar!), und es ist ein
konjunkturpolitisch ambitioniertes Budget: Wir wollen gestalten und nicht nur
verwalten, es bringt mehr Geld für soziale Sicherheit, mehr Geld für Bildung,
mehr Geld für Pflege und Gesundheit, und wir wollen auch in der
Wirtschaftsförderung und in der Beschäftigungspolitik auf Grund von zusätzlichen
Mitteln noch zulegen. Es bringt mehr Effizienz durch Einsparungen, aber ohne
Personalabbau, der auf Kosten der Leistungen geht, und es ist
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