Gemeinderat,
6. Sitzung vom 25.10.2001, Wörtliches Protokoll - Seite 52 von 100
auch.
Nun möchte ich etwas wiederholen, was mir ein
Anliegen ist, nämlich, dass hoffentlich bald diese, die Kunden für blöd
verkaufenden Durchsagen nicht mehr sind, wo, wenn man zehn Minuten auf eine
Straßenbahn wartet und merkt, sie kommt nicht daher, dann die schnarrende
Lautsprecherstimme erklingt: "Sehr geehrte Fahrgäste, derzeit kommt es auf
der Linie soundso zu Verzögerungen." - Das habe ich mittlerweile schon
bemerkt. - "Wir sind bemüht, die ordnungsgemäßen Intervalle wiederherzustellen."
- Davon gehe ich einmal aus. - "Wir bitten um Ihr Verständnis." -
Eine supercoole Information!
Was heißt das jetzt im Detail? Soll ich stehen bleiben,
soll ich zu einer anderen Linie gehen oder soll ich ein Taxi nehmen? - Da,
denke ich mir, würden zum Beispiel die Informationen, die sie jetzt über das
RBL haben, präzisere Auskünfte geben. Aber die kosten den WIENER LINIEN Geld.
Hat das jetzt Priorität oder nicht? Wer entscheidet
das? - Dass es Geld kostet, ist klar. Entscheidet das Herr Dior Grois, weil er
dem Argument zugänglich ist? Entscheidet das Herr StR Rieder mit dem Hut Eigentümervertreter?
Entscheidet es StR Schicker? Reden wir im Ausschuss darüber? Wer gibt dafür die
Linien vor? - Und das ist nur eine von 1 500 denkbaren Fragen, die
gewährleistet werden müssen.
Die nächste Frage ist: Was passiert, wenn gewisse Dinge
nicht eingehalten werden? - Das soll ja auch passieren. Gibt es dann weniger
Geld? Was sind die Sanktionsmöglichkeiten, außer dass wir jedes Jahr
4 Milliarden S bezahlen? - Ein Geld im Übrigen - das muss ich auch
deutlich sagen -, zu dem ich stehe. Ich finde es richtig, dass eine Stadt wie
Wien einen funktionierenden öffentlichen Verkehr ausreichend öffentlich
dotiert.
Wir kommen hier nur in ein unglaubliches Durcheinander.
Verträge sind ja nicht dafür da, wenn eh alles gut rennt, denn dann rennt eh
alles gut. Verträge sind dann relevant, wenn etwas nicht funktioniert. Das ist
der Kern meines Vorwurfs. Wenn es zu einem Streitfall zwischen den WIENER
LINIEN und der Stadt Wien kommt, dann ist die Stadt Wien schlecht bedient, weil
diese mögen doch orientieren, können doch und so weiter. Diese sehr höflichen
Vorgaben bieten meines Erachtens keinerlei Vorgaben. Es bleibt die
Eigentümerfunktion. Hier - das stimmt - kann letztendlich der 100-Prozent-Eigentümer
über einen mühsamen Weg - es ist ja nicht so, dass es im Konfliktfall faktisch
ein unmittelbares Weisungsrecht gibt -, nämlich über einen Aufsichtsrat einer
Holding, mühsam durchgreifen. Das ist ein nicht geeignetes Regelwerk, um eine
moderne, flexible, aber auch verantwortungssicherstellende Verkehrspolitik
umzusetzen.
Deswegen stimmen wir dem Vertrag nicht zu. Wir
stimmen gerne zu, dass eine entsprechende Dotierung der WIENER LINIEN weiterhin
stattfindet und dass weiterhin ausgebaut wird. Aber dieses Regelwerk bietet
keinerlei Möglichkeit im qualitativen Sinn, wie wir uns das vorstellen. - Danke
schön. (Beifall bei den GRÜNEN.)
Vorsitzender GR Günther Reiter: Zum Wort gemeldet ist Frau StR Dipl Ing Dr Rothauer.
Ich erteile es ihr.
StR Dipl Ing Dr Herlinde Rothauer: Sehr geehrter Herr Vorsitzender! Herr
Berichterstatter! Herr Vizebürgermeister! (Es
erklingt ein Läuten aus der technischen Anlage.)
Was habe ich falsch gemacht?
Vorsitzender GR Günther Reiter (unterbrechend):
Alles in Ordnung!
StR Dipl Ing Dr Herlinde Rothauer (fortsetzend):
Es liegt nicht an mir.
Jetzt bin ich gleich lauter und gut verständlich,
weil die erste wichtige Mitteilung, die ich zu machen habe, ist, dass die ÖVP
diesen Vertrag ablehnt. (VBgm Dr Sepp
Rieder: Das ist aber eine Überraschung!)
Es wird niemanden erstaunen, aber ich kann es wohl
begründen, Herr Vizebürgermeister, wobei ich fast versucht wäre - was politisch
unüblich ist - zu sagen, ich schließe mich vollinhaltlich der Kritik vom Herrn
Kollegen Chorherr an. (Beifall bei den
GRÜNEN.)
Es ist ein Novum, dass ich von der grünen Fraktion
einen Applaus ernte. Das freut mich. Wir gehen wirklich weitgehend konform mit
der Kritik, nicht weil es ein Parteipolitikum ist - das ist auch gleich der
Beweis dafür, dass es nicht ein Parteipolitikum ist -, sondern weil es sachlich
gerechtfertigte gravierende inhaltliche Kritikpunkte gibt, die man nicht
übersehen kann.
Ich möchte auch damit beginnen zu betonen, dass mir
und meiner Fraktion nichts daran liegt, die WIENER LINIEN, die sich in dieser
Stadt durchaus bewähren und die auch von den Bürgern eigentlich durchwegs gut
beurteilt werden, in irgendeiner Form in Frage zu stellen, zu schwächen oder
ihnen das Geld streitig zu machen, das sie zur Erfüllung ihrer kommunalwirtschaftlichen
Verpflichtungen benötigen.
Ich will vor allem dezidiert eine Äußerung, die ich
im Wahlkampf über mich ergehen lassen musste, zurückweisen, nämlich, dass die
ÖVP die WIENER LINIEN verkaufen und privatisieren möchte. Ich will keine Namen
nennen, aber ich möchte deutlich deponieren, niemals war das unser Anliegen oder
unser Begehren.
Ich will aber an den Beginn - so wie Herr Kollege
Chorherr, vielleicht noch ein bisschen pointierter - stellen, dass es hier um
sehr viel Geld geht. Es geht nicht nur um die rund 4 Milliarden S
Betriebskostenzuschuss jährlich, sondern es geht berechtigterweise auch um
1,7 Milliarden S Investitionskostenzuschuss, denn auch wir wollen,
dass in die Infrastruktur investiert wird. Es geht also um rund
5,7 Milliarden S jährlich.
Nachdem - ein Kritikpunkt, auch von uns - dieser Vertrag
zunächst einmal eine lange Zeit des Kündigungsverzichts hat, also eine
Mindestlaufzeit von 8 Jahren, sind das immerhin
45,6 Milliarden S, von
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