5.2 Handlungsfeld B – Infrastruktur
Eine leistungsfähige und moderne Infrastruktur ist das Fundament eines effizienten Logistikverkehrs. Sie ermöglicht den reibungslosen Transport von Waren und Dienstleistungen und bietet damit die Basis für die wirtschaftliche Dynamik in Wien.
Wie wird Wirtschaftsverkehrsinfrastruktur definiert?
Unter Wirtschaftsverkehrsinfrastruktur werden alle physischen, organisatorischen und digitalen Strukturen verstanden, die den Transport von Waren und Dienstleistungen ermöglichen. Dazu gehören Straßen und Schienenwege, aber auch Güterumschlagsplätze wie Terminals oder Lade- und Entladezonen. Auch die digitale Infrastruktur, die zur Planung, Steuerung und Optimierung der Verkehrsströme genutzt wird, ist für eine nachhaltige Logistik unverzichtbar.
Das kontinuierlich steigende Verkehrsaufkommen im Logistiksektor stellt eine wachsende
Herausforderung dar, die effektive Lösungsansätze erfordert. Besonders der signifikante Zuwachs an Paketzustellungen in Wien innerhalb weniger Jahre induziert ein steigendes
Verkehrsaufkommen, Staus sowie Umweltbelastungen durch CO₂-, Schadstoff- und
Lärmemissionen. Angesichts des bisher anhaltenden Trends zum Online-Handel ist hierbei keine Trendwende in Sicht und untermauert folglich die Dringlichkeit, vorhandene infrastrukturelle Kapazitäten zu überprüfen und zukunftsfit zu machen. Dem damit ebenso einhergehenden, wachsenden Druck auf den öffentlichen Raum in Wien muss entschieden begegnet werden.
nach BVL – Bundesvereinigung Logistik e.V. (Hrsg.) (2019): Logistik als Wissenschaft: Disziplin mit Zukunftsperspektive.

Hebel B1 – Ausbau und Verdichtung der Ladeinfrastruktur für den Wirtschaftsverkehr
Worum geht’s? Zur Förderung und Attraktivierung der E-Mobilität wurden ab 2017 bis Ende 2024 auf öffentlichem Gut der Stadt Wien rund 2.200 Normalladepunkte und 20 Schnellladepunkte durch die Konzessionsnehmer*in, der Wien Energie GmbH errichtet und in Betrieb genommen. Der bedarfsgerechte, barrierefreie und weitere Ausbau von öffentlicher Ladeinfrastruktur wird durch die Stadt Wien kontinuierlich weiterverfolgt und umgesetzt. Zusätzlich dazu sind in Wien weitere knapp 2.033 (Stand Jänner 2025) öffentlich zugängliche Ladepunkte verfügbar, diese befinden sich auf öffentlich zugänglichem Privatgrund (öffentliche Garagen, Supermarkparkplätze, Park &Ride-Anlagen, etc.) und sind somit gänzlich im Zuständigkeitsbereich der jeweiligen Betreiber*innen. Um für die zwingend notwendige Umstellung der Fuhrparks im Logistikverkehr von fossilen auf alternative, lokal emissionsfreie Antriebe nachhaltigere Rahmenbedingungen zu schaffen, muss die Ladeinfrastruktur besonders auch für den Wirtschaftsverkehr weiter ausgebaut werden.
So geht’s! Das Ziel ist durch die ausreichende, stadtweite Verfügbarkeit von Ladeinfrastruktur – auch für Logistikdienstleister*innen – eine Grundversorgung zu schaffen, welche beim Übergang von fossilen zu emissionsfreien Antrieben in der Logistik und der damit verbundenen Flottenumstellung auf E-Fahrzeuge mit entsprechenden Rahmenbedingungen unterstützen. Zu den positiven Nebeneffekten zählt für die Logistik, dass Ladestations-Suchzeiten minimiert werden und die logistische Tourenplanungs- und Zustelleffizienz weiter gesteigert werden kann. Ein stetiger technologischer Fortschritt im Bereich der Batterietechnologien und sich daraus ergebende steigende Fahrzeugreichweiten versprechen die Antriebswende zu unterstützen.
Umsetzungsschritte zur Elektrifizierung der Logistik:
- „Umsetzungsprogramm Elektromobilität“: Im Rahmen des Programmes wurde das Dokument „Stadt am Strom(e) – der Wiener Weg zur Elektromobilität“ erstellt, welches die Grundlage für die Planung und den bedarfsorientierten Ausbau der Ladeinfrastruktur in Wien darstellt. Aufbauend auf der Erhebung zum Ladeinfrastrukturbedarf erfolgt ein stadtweiter, evidenzbasierter und kontinuierlicher Ausbau von Ladepunkten in Wien.
- Unterstützung von KMUs: Für kleine und mittlere Unternehmen ohne eigenes Betriebsgelände stellt die Umstellung ihrer Flotten eine besondere Herausforderung dar. Ausgewählte Ladezonen im öffentlichen Raum mit nachweisbarem Bedarf an E-Lade-Möglichkeiten werden deshalb pilothaft an einzelnen Standorten mit E-Ladestationen ausgestattet, um Erfahrungen mit diesem Konzept zu sammeln.
- Nachtladen auf Supermarkt-Parkplätzen: Gemeinsam mit der Wirtschaftskammer Wien sollen Möglichkeiten einer Nutzung von über Nacht ungenutzten Parkflächen (z. B. Supermarktparkplätze) für das Laden von Logistik-Fahrzeugen sondiert werden.
- Wichtige Aspekte: Fokus auf private und halböffentliche Ladeinfrastruktur: Aufgrund des bereits ohnehin hohen Nutzungsdruckes auf den begrenzten, öffentlichen Raum in Wien soll der Ladeinfrastrukturausbau primär auf privaten und halböffentlichen Flächen erfolgen. Fahrzeuge der Klassen N2 und N3 (schwere Nutzfahrzeuge) sollen möglichst über privat bereitgestellte Ladeinfrastruktur geladen werden. Die Stadt Wien prüft jedoch mögliche einzelne halböffentliche Standorte. Fahrzeuge der Klasse N1 (leichte Nutzfahrzeuge) sollen auch auf öffentlich bereitgestellten Ladestationen und Ladehubs laden können, solange noch keine anderen Lademöglichkeiten bestehen.
- Kein Ausbau von Mega-Watt-Ladestationen in Wien: Die Stadt Wien plant keinen Ausbau von Mega-Watt-Ladeinfrastruktur für Schwerlastfahrzeuge im Gemeinde- und Landesstraßennetz. Solche Ladestationen bleiben dem hochrangigen Autobahnnetz der ASFINAG vorbehalten.
Hebel B2 – Zukunftsorientierte Güterverkehrsinfrastruktur – Erhalt, Ausbau und Optimierung von Terminals, Schienenverkehr und Binnenschifffahrt
Worum geht’s? Teil der urbanen Logistik sind neben der Logistik innerhalb der Stadt auch die Wirtschaftsströme von und nach Wien, die in ihrer stadtregionalen Bedeutung zunehmen. Wien liegt an zwei der neuen Korridore des transeuropäischen Verkehrsnetzes (TEN-V). Im Vergleich zum herkömmlichen Straßengüterverkehr bieten Schienen- und Wasserwege deutlich nachhaltigere Infrastrukturlösungen für die Logistik. Sie verursachen nicht nur erheblich weniger Emissionen, sondern tragen auch zur Entlastung der stark beanspruchten Straßeninfrastruktur bei. Ein Güterzug stößt potenziell etwa 39-mal weniger CO2 aus, braucht nur ein Drittel der Verkehrsfläche und legt bei gleichem Energieverbrauch die vierfache Strecke eines LKW pro Tonnenkilometer zurück. Gleichzeitig bietet die Binnenschifffahrt auf der Donau als eine der wichtigsten Wasserstraßen Europas eine weitere, umweltfreundliche Transportalternative zum LKW, deren Energieverbrauch um bis zu 75% niedriger ist als vergleichbare LKW-Fahrten. Lokal emissionsfreie oder hybrid betriebene Binnenschiffe könnten zudem neuartige städtische Logistikkonzepte ermöglichen. Mögliche Anwendungsbereiche finden sich in der Paketzustellung als schwimmende Hubs oder in der Abfall-, Recycling- oder Baustellenlogistik wieder. Angesichts wachsender Güterverkehrsströme ist es daher unerlässlich, die bestehende Schienen-, Wasser- und Terminalinfrastruktur in Wien als Alternative zum Straßentransport zu erhalten, gezielt auszubauen und stärker zu nutzen.

So geht’s! Die Stadt Wien setzt auf eine Kombination aus Instandhaltungsmaßnahmen, Kapazitätserweiterungen und technologischen als auch organisatorischen Innovationen, um eine zukunftssichere Logistikinfrastruktur zu schaffen. Durch enge Kooperation mit relevanten Stakeholder*innen wie dem Hafen Wien, den ÖBB und Logistikdienstleister*innen soll die Schienen- und Terminalinfrastruktur zum Rückgrat des Langstreckengüterverkehrs werden und die internationale wirtschaftliche Leistungsfähigkeit der Stadt stärken. Wien sieht sich dabei als zentraler Knotenpunkt im europäischen Güterverkehr und leistet einen wichtigen Beitrag zur Abwicklung von Quell-, Ziel- und Transitverkehren auf der Schiene. Das Ziel der Stadt Wien ist es daher, den Güterverkehr von der Straße auf die Schiene und die Binnenschifffahrt zu verlagern und die Nutzung der bestehenden Schienen- und Wasserinfrastruktur zu optimieren. Mittelfristig soll die Schiene für Wirtschaftstreibende in Wien die erste Wahl im Bereich der Langstreckenlogistik sein. Parallel dazu müssen Verkehrsanbindungen an Terminalstandorte erhalten und angepasst werden, um die Leistungsfähigkeit der Umschlagsinfrastruktur sicherzustellen.
Umsetzungsschritte:
- Ausbau von Zulaufstrecken im Schienengüterverkehr: Optimierung und Ausbau wichtiger Güterverkehrsachsen gemäß "Zielnetz2040+" der ÖBB/BMIMI…, darunter (z.B.):
- Ausbau der Ostbahn zwischen Hauptbahnhof und Flughafen Wien
- Optimierung des "Zulaufs Süd" zwischen Wien Zentralverschiebebahnhof und Achau
- Verlängerung bzw. Ertüchtigung der Donauuferbahn zwischen Wien Heiligenstadt und Praterkai unter Berücksichtigung der Hafenanbindung
- Ausbau der Verbindung Simmering – Süßenbrunn mit einer viergleisigen Ostbahnbrücke
- Förderung von Anschlussbahnen: Die Stadt Wien setzt sich für den Erhalt und die Nutzung bestehender Anschlussgleise sowie den Neubau zusätzlicher Gleisanschlüsse im Wirtschaftsstandort Wien ein. Dabei werden auch Förderungsmittel des Bundes in Anspruch genommen.
- Modernisierung des Hafen Wiens: Der Einsatz fortschrittlicher Umschlagtechnologien, effizienter Lagerverwaltungssysteme, die Vorbereitung des geplanten Ausbaus des Terminals Freudenau und eine fortschreitende Digitalisierung zur Erweiterung der Kapazitäten stärken sowohl die Position des Hafens als trimodales Terminal als auch die Nutzung der Wasserwege für den Gütertransport.
- Ausbau von Landstromanlagen: Die Erweiterung der Landstromversorgung für die Binnenschifffahrt sowie die Schaffung von Möglichkeiten zur verpflichtenden Nutzung der umweltschonenderen Stromversorgung sichert die Nachhaltigkeit in der Schifffahrt.
- S1-Erweiterung: Der Bund setzt den Lückenschluss der S1 gemäß Bundesstraßengesetz um.
Wichtige Aspekte:
- Kooperative Planung: Eine zukünftig noch intensivere Zusammenarbeit zwischen Stadt Wien, Hafen Wien, ÖBB und weiteren Stakeholder*innen im Bereich Güterverkehr sichern die Umsetzung der Maßnahmen.
- Integrierte Planung und Berücksichtigung der Logistik: Die Integration des Schienengüterverkehrs in Stadt- und Verkehrsplanungsprojekten, um die innerstädtische Logistik zu verbessern z. B. im "SEK Mitte 15" am Westbahnhof (siehe auch C3) sind das neue Vorzeigebeispiel einer Schienenintegration in Stadtentwicklungsprojekte. Darüber hinaus kann im Rahmen von Umweltverträglichkeitsprüfungen die Verlagerung des Baustellenverkehrs auf die Schiene vorgeschrieben werden wie bei der UVP Seestadt Aspern Nord und UVP Nordwestbahnhof.
Hebel B3 – Verbesserung der Flächennutzung des Wirtschaftsverkehrs
Teilaspekt B3 – 1: Emissionsärmere Baustellenlogistik durch Kreislaufwirtschaft
Worum geht’s? Rund 40% der CO2-Emissionen in der EU und nahezu ein Drittel aller Abfälle entstehen durch die Baubranche. Die dazu zugehörende Baustellenlogistik umfasst den koordinierten Transport von Baumaterialien bis zum Einbauort und den Abtransport von Bodenaushub und Bauschutt. Hochrechnungen entsprechend, wird zirka ein Drittel des urbanen Güterverkehrs mit Bautransporten assoziiert. Der konsequente Einsatz der Stadt Wien zur Förderung der Ressourcenschonung und Kreislaufwirtschaft im Bauwesen erfordert auch Beiträge zur Reduktion dieser Verkehre.
So gehts! Um den Anforderungen der Kreislaufwirtschaft gerecht zu werden, ist es notwendig, den Materialkreislauf zu schließen: Baumaterialien sollen nicht nur abgebaut und entsorgt, sondern wo möglich erhalten oder vor Ort wiederverwendet werden. Vor allem Rückbauprojekte spielen dabei eine Schlüsselrolle, indem Baumaterialien dem Kreislauf wieder zugeführt und die damit verbundenen Anlieferungs- oder Entsorgungsfahrten ins Stadtgebiet entweder komplett vermieden oder (Leer-)Fahrten im Baustellenverkehr deutlich reduziert werden, da die Baustoffe so weit wie möglich vor Ort verbleiben und nicht mehr an- bzw. abtransportiert werden müssen.
Auch die Identifizierung von geeigneten Flächen für die Kreislaufwirtschaft, wie sie auch im Wien-Plan (Stadtentwicklungsplan 2035) vorgesehen ist, ist dabei ein wesentlicher Bestandteil der Strategie. Es wird geprüft, inwieweit derartige Flächen nicht nur etwa zur Lagerung von Material dienen können, sondern auch für eine nachhaltige Baustellenlogistik genutzt werden können. Integrierte (Zwischen-)Lager-, Konsolidierungs- und/oder Sammelflächen für Materialien optimieren dabei nicht nur die Ressourcenschonung des Bauwerks, sondern reduzieren auch den Aufwand in der Transportlogistik am Bau und vor Ort.
Wichtige Aspekte für die Kreislaufwirtschaft:
- Flächenbereitstellung: Notwendige Flächenerfordernisse für Baustellen- und Baulogistikprozesse müssen für Wien quantifiziert und auf ihre Realisierbarkeit bei knappen Flächenangebot v.a. im dichtbebauten Stadtgebiet geprüft werden. Alternative Lösungsszenarien müssen hierbei auch in der Stadtregion gedacht werden. Die Stadt Wien wird hierzu im Kontext zur Plattform Logistik 2030+ eine wissenschaftliche Untersuchung initiieren.
- Baustellenlogistik neu denken: Angesichts des hohen Drucks durch vermehrte Bauaktivitäten und die Nachfrage nach Wohnraum in der Stadt müssen Lösungsansätze in der Stadt für die Baustellenlogistik auch außerhalb der aktuell bekannten Rahmenbedingungen sondiert werden, wobei innovative Ansätze verfolgt werden müssen, um die Ziele der Stadt Wien zu erreichen. Die Stadt Wien sucht hierzu den Austausch mit der Wirtschaft und der Wissenschaft, um neue Lösungsansätze in der Baustellenlogistik zu diskutieren.
- Regulative Maßnahmen zur Baulogistik-Ablaufplanung: Die Stadt Wien nutzt und prüft weitere regulative Hebel, um frühzeitig und verbindlich in Richtung einer umweltfreundlicheren Baustellenlogistik eingreifen zu können. Anknüpfungspunkte sind baulogistische Vorgaben in Bescheiden zu Umweltverträglichkeitsprüfungen, entsprechende Kriterien bei öffentlichen Ausschreibungen zu Architekturwettbewerben, Planungsvorhaben und/oder Bauausführungen.
Teilaspekt B3 – 2: Ladezonenmanagement für den Wirtschaftsverkehr
Worum geht’s? Die tägliche Versorgung Wiens mit Gütern und Dienstleistungen erfordert auf der letzten Meile ausreichende Lade- und Haltezonen, doch der öffentliche Raum ist insbesondere in dicht besiedelten Gebieten knapp. Die Stadt Wien strebt daher an, die stadtweite Verfügbarkeit von Ladezonen zu verbessern und gleichzeitig die Inanspruchnahme des öffentlichen Raums zu minimieren.
So geht’s! Die Neuausweisung von Ladezonen basiert zukünftig immer öfter auf dem lokalen Gemeinschaftsbedarf und nicht mehr auf punktueller, individueller Antragsstellung. Digitale Tools wie der „Ladezonenrechner“ der Wirtschaftskammer Wien unterstützen diesen Ansatz der bedarfsorientierten Planung. So sollen Ladezonen zukünftig unabhängig des Betriebsstandortes realisiert werden können. Der gesamtheitliche Bedarf an Ladezonen in Straßenzügen oder Grätzeln wird dann auf Basis der wirtschaftlichen und stadträumlichen Gegebenheiten über einen Algorithmus durch den Ladezonenrechner berechnet, um sowohl eine optimierte, räumliche Verteilung von Ladezonen und der bedarfsgerechten Ausstattung sicherzustellen als auch einem ungesteuerten „Wildwuchs“ an Ladezonen in Wien vorzubeugen. In einem nächsten Schritt ist zu prüfen, wie die Nutzung bestehender Ladezonen optimiert werden kann. Ein mögliches Instrument dazu stellt z.B. ein Auslastungs- oder Buchungssystem für Ladezonen dar. Dieser Ansatz soll in enger Abstimmung mit Wirtschaftstreibenden in der Stadt geprüft und ggf. getestet werden. Vor einer breiteren Anwendung sind jedenfalls Kosten und Nutzen eines solchen Systems abzuwägen sowie rechtlich-regulative Grundlagen (z.B. zum Enforcement) auszuarbeiten. Das System sollte die Ladezonennutzung effizienter machen, das Verkehrsaufkommen durch bessere Möglichkeiten zur Routenplanung für Dienstleister*innen reduzieren sowie zur Verkehrssicherheit beitragen, indem das Parken in zweiter Reihe beziehungsweise auf Rad- und Fußwegen durch Dienstleister*innen verhindert wird.
Wichtige Aspekte für Ladezonen:
- Multifunktionale Ladezonen: Ein Konzept für ausgewiesene Ladezonen wird erarbeitet, die sowohl für betriebsunabhängiges Ein- und Ausladen als auch für Warentransporte der Anwohner*innen nutzbar sind.
- Wegweiser Quartierslogistik: Die frühzeitige Integration und Berücksichtigung von Ladezonen in Planungsprozessen von Straßenräumen und neuen Stadtquartieren hilft zukünftig das Angebot von Ladezonen in der Stadt zu verbessern (siehe auch C2).
Teilaspekt B3 – 3: Nutzung leerstehender Geschäftsflächen für City-Logistik-Lösungen
Worum geht’s? Die Ergänzung des stationären Handels um Online-Handel und Cross-Channel-Angebote trägt in Wien zu erhöhtem Leerstand von Geschäftsflächen bei, insbesondere außerhalb der klassischen Top-Lagen. Einige dieser leerstehenden Erdgeschosslagen bzw. Einzelhandelsimmobilien verfügen aber über eine strategisch günstige Lage in Kund*innennähe. Deren Aktivierung und Nutzung zu Logistikzwecken auf der letzten Meile sollen zukünftig zur effizienteren und nachhaltigeren Abwicklung der City-Logistik genutzt werden. Dabei ist der städtebauliche und stadtstrukturelle Kontext und sich daraus ergebende Zielkonflikte – insbesondere mit der Belebung der Erdgeschoßzone – zu beachten.
So geht’s! Die Stadt Wien möchte einen Rahmen schaffen, um Leerstände gezielt für lokal angebotene, nachhaltige Logistikdienstleistungen zu aktivieren. So sollen zum Beispiel leerstehende Geschäftsflächen genutzt werden, um flächendeckend Multi-User-Hubs bzw. Mikro-Hubs einzurichten, in denen mehrere Anbieter gemeinsam Güter konsolidieren und somit die Anzahl notwendiger Logistikfahrten reduzieren. Ergänzend dazu können exemplarisch Paketboxen eingerichtet werden, die dem lokalen Handel und den Kund*innen flexible Zustell- und Abholmöglichkeiten bieten (siehe B4). Diese Leerstandsaktivierung schafft Synergieeffekte, die sowohl der Logistik durch effizientere Lieferketten als auch dem lokalen Handel durch optimierte Zustell- und Abholmöglichkeiten, wie Paketboxen (siehe B4), zugutekommen. Gleichzeitig wird das Konzept der „15-Minuten-Stadt“ gestärkt, indem wichtige Dienstleistungen lokal und umweltfreundlich zugänglich gemacht werden. Die Nutzung dieser Flächen für logistische Zwecke kommt nur dort infrage, wo die Entwicklung lebendiger Erdgeschosszonen bzw. die Etablierung sozialer, kultureller und gemeinschaftlicher Nutzungen nicht höhere Priorität hat. Dies wird insbesondere in Zentren und zentralen Bereichen typischerweise der Fall sein.
Um Leerstände in geeigneten Lagen — insbesondere im Erdgeschoss — als Hub- oder Paketboxen-Standorte zu aktivieren, soll auf das umfassende Wissen der Service- und Beratungsstelle "Kreative Räume Wien" zurückgegriffen werden. Ein verbessertes Leerstandsregister in Kooperation mit der Wirtschaftskammer Wien soll verfügbare Flächen und deren Eigenschaften erfassen, um die Zugänglichkeit für Logistikzwecke zu verbessern. Auch Synergien zur „Digitalen Leerstandsdatenbank“, welche die Wirtschaftsagentur Wien laut Regierungsübereinkommen aufbauen soll, werden genutzt. Zudem prüft die Stadt bestehende Rechtshindernisse, um (bau)-regulative Problemlagen für die Nutzung von City-Logistik zu beseitigen und mehr orts- und kundennahe Lösungen für die Logistik zu schaffen.
Umsetzungsschritte:
- Leerstandsregister: Das bestehende Register für Leerstandsflächen der Wirtschaftskammer Wien wird mit Unterstützung der Stadt Wien sowie der Wirtschaftsagentur Wien besser für Logistiknutzungen nutzbar gemacht, um so eine umfassende Übersicht über verfügbare Flächen auch für Logistiklösungen zu bieten.
- Impulssetzung durch die Stadt Wien: Die Stadt Wien untersucht gemeinsam mit allen relevanten Stakeholder*innen rechtliche und organisatorische Hindernisse für die Nutzung von Leerständen auch für die Citylogistik.
Hebel B4 – Ausweitung des Paketboxen-Netzwerks
Worum geht’s? Mit dem starken Anstieg der Paketzustellungen, beschleunigt durch die Covid-19-Pandemie, stehen Kurier-, Express- und Paketdienstleister*innen (KEP) vor logistischen Herausforderungen. Gleichzeitig führt die Zunahme an Zustellfahrten, verursacht durch immer mehr Pakete, fehlgeschlagene Zustellversuche und hohe Retourenquoten zu vermeidbaren Belastungen für die Bewohner*innen. Diese zusätzlichen Verkehrsleistungen erhöhen sowohl das Verkehrsaufkommen als auch die CO₂-Emissionen in der Stadt. Eine Optimierung der Zustellprozesse durch einen neuen Belieferungsansatz ist daher dringend erforderlich.

So geht’s! Die Stadt Wien unterstützt die Wiener Stadtwerke beim Aufbau eines dichten Netzes von „White Label Smart Lockern“ (betreiberunabhängige „Paketboxen“ wie jene des „Nextbox“-Netzwerkes), um die Paketzustellung auf der letzten Meile zu optimieren. Diese öffentlich zugänglichen Paketboxen bestehen aus unterschiedlich großen Fächern und ermöglichen rund um die Uhr die flexible Übergabe von Paketen und anderen Waren. Damit werden fehlgeschlagene Zustellversuche und unnötige Leerfahrten vermieden oder ermöglichen eine Bündelung von Logistikwegen, was zu weniger Verkehr und Emissionen in der Logistik führt. Das Netz von White Label Smart Lockern in Form der “Nextbox” wird ausgebaut, um die Paketzustellung auf der letzten Meile zu optimieren. Bis 2030 soll dieses "Nextbox"-Netzwerk von derzeit 750 auf rund 1.600 Boxen erweitert werden, wobei die Paketboxen im halböffentlichen Raum – etwa in Wohnhausanlagen – sowie im privaten Raum aufgestellt werden. Ziel ist es, allen Wiener*innen eine Paketbox in maximal 250 Metern Entfernung im Sinne eines “Hausschlapfenradius” zur Verfügung zu stellen.
Die Stadt unterstützt zudem rechtliche Optimierungen für Paketboxen, um die Rahmenbedingungen für Paketboxen zu vereinfachen. So sollen Paketboxen zukünftig eine eigene Postadresse erhalten, um den Versandprozess an diese Adresse für die Bürger*innen zu garantieren und zu vereinfachen. Der Einsatz von Paketboxen im Bestandsbau wird hinsichtlich der bestehenden Brandschutzregeln und Bauvorschriften evaluiert und optimiert.
Die Stadt Wien unterstützt in diesem Zusammenhang die Wiener Stadtwerke bei der Entwicklung eines österreichweiten Paketboxensystems inklusive einer digitalen Plattform namens „Nextbox“, die auf der “WienBox”-Konzeption aufsetzt. Dieses System soll alle Smart Locker-Betreiber, Handels- und Dienstleistungsunternehmen und Transportdienste österreichweit miteinander vernetzen, um eine nahtlose Integration für alle Beteiligten, einschließlich der Endkund*innen, sicherzustellen – auch über die Stadtgrenzen hinaus. Ziel ist es, die Nutzung der Paketboxen deutlich zu erhöhen und ihre Verbreitung zu fördern.
Wichtige Aspekte bei der Umsetzung:
- Use-Cases für Wiener*innen: Paketboxen sollen nicht nur als einfache Lieferadresse für Pakete verstanden werden (B2C), sondern auch Bürger*innen zum Austausch untereinander (C2C) bzw. mit dem lokalen Handel (C2B) dienen. Auch zwischen Wirtschaftstreibenden können die Boxen als z.B. Übergabe-, Zwischenlager- sowie Retournierungsmöglichkeit genutzt werden (B2B). Ein stadtweiter Screening-Prozess unter operativer Führung der Wiener Stadtwerke identifiziert zusätzliche Nutzungsmöglichkeiten für Paketboxen, um deren Akzeptanz zu steigern und auf die Bedürfnisse der Bevölkerung und Wirtschaft einzugehen.
- Standortwahl: Eine Installation von Paketboxen im öffentlichen Raum ist nicht vorgesehen. Paketboxen sollen in halböffentlichen und privaten Bereichen platziert werden.