5.4 Anergienetz Startzellen – ÖGUT

Die Österreichische Gesellschaft für Umwelt und Technik (ÖGUT) prüfte die Eignung von neun Häuserblöcken für die Errichtung von Anergienetzen. Anergienetze stellen eine innovative Alternative dar, die in Wien bislang lediglich in Einzelfällen erprobt wurde. Dabei nutzen mehrere Gebäude gemeinsam sogenannte Anergiequellen, d.h. niedrig temperierte Energie aus Erdreich, Grundwasser oder Umgebungsluft. Diese Energie wird mithilfe von Wärmepumpen auf das erforderliche Heiz- bzw. Kühlniveau gebracht.
Wo Einzellösungen aufgrund von Platzmangel technisch schwer umsetzbar sind, bieten liegenschaftsübergreifende Nahwärme-Netze (Anergienetze) eine gute bzw. tragfähige Alternative. Ihr größter Vorteil liegt in der Nutzung konstanter Temperaturen aus Erdreich, Grundwasser oder Umgebungsluft. Dadurch wird eine besonders effiziente Energieversorgung gewährleistet, dies sowohl in heißen Sommern als auch in sehr kalten Wintern.
Im Programmgebiet wurden zunächst elf potenzielle Startzellen identifiziert und in einem mehrstufigen Verfahren bewertet. Entscheidende Kriterien waren u. a. die Entfernung zum bestehenden Fernwärmenetz sowie die bauliche und rechtliche Ausgangslage. Nach enger Abstimmung mit Eigentümer*innen und Stakeholder*innen wurden drei Häuserblöcke ausgewählt, die ein besonders hohes Potenzial aufwiesen:
- Kluckygasse,
- Gaußplatz Süd und
- Gaußplatz Nordost.
Neben der technischen Analyse lag der Schwerpunkt auf der Zusammenarbeit mit den Eigentümer*innen, um Hindernisse wie Mehrheitsbeschlüsse, Eigentümerstrukturen nach WEG oder unterschiedliche Sanierungsstände erfolgreich zu bewältigen. Das Projekt entwickelte Empfehlungen, wie Anergienetz-Startzellen erfolgreich initiiert und begleitet werden können, und dokumentierte die Erkenntnisse als Leitfaden für künftige Projekte.
Erkenntnisse & Herausforderungen
Der Wiener Wärmeplan schafft Klarheit über Ausbaugebiete der Fernwärme und Bereiche für lokale, dezentrale Wärmeversorgung („Lokale Wärme gemeinsam“).
Auch Anergieprojekte sind förderfähig, selbst bei theoretischer Fernwärmeanschlussmöglichkeit, dies ist ein wichtiger Anreiz für innovative Lösungen.
Langfristige Planung ist von entscheidender Bedeutung: Dekarbonisierung im Bestand erfordert frühzeitige Umstiegskonzepte, abgestimmt auf Bauzyklen und Energiebedarfe.
Eine externe Begleitung durch erfahrene Beratungsorganisationen ist zwingend erforderlich, um Eigentümer*innen von der Idee bis zum Vertragsabschluss professionell zu begleiten und zu unterstützen.
Projekte dieser Art erfordern – vergleichbar mit einem kontinuierlichen „Kümmerer“-Modell – laufende Moderation, Vernetzung und Begleitung über mehrere Jahre hinweg.
Entscheidungsprozesse in Wohnungseigentümergemeinschaften (WEG) gestalten sich langwierig und konfliktanfällig. Ohne eine neutrale Moderation oder Mediation kommt es häufig zu einem Stillstand.
Der anfänglich hohe Informationsbedarf und die anschließende Erkenntnis, selbst aktiv werden zu müssen, führen oftmals zu einem Einbruch der Motivation.
Ein „Gründer*innen-Bonus“ oder gestaffelte Fördermodelle könnten jene belohnen, die als Startzelle agieren (first mover advantage).
Hausverwaltungen sind Schlüsselfiguren, müssen allerdings gesondert beauftragt werden, da diese Aufgaben nicht Teil der ordentlichen Verwaltung sind. Schulungen und Informationsangebote – beispielsweise durch ÖVI oder Hauskunft – sind wichtige Ansatzpunkte.
Musterlösungen und Handlungshilfen bzw. -empfehlungen – bspw. ein praxisorientierter „10-Schritte-Plan“ für Anergienetzprojekte – könnten die Einstiegshürden erheblich senken.
Dieses Projekt wurde aus den Mitteln der Grätzlförderung gefördert.
Projektpartner*innen
- Österreichische Gesellschaft für Umwelt und Technik (ÖGUT)