3. Umweltaspekte und Umweltauswirkungen

3.4 Direkte Umweltaspekte

Rechtsvorschriften

Durch ein zertifiziertes Compliance Managementsystem und eine Rechtsmanagement-Software wird sichergestellt, dass alle für die 48er relevanten Umweltvorgaben eingehalten werden. Die zulässigen Grenzwerte (z. B. Schadstoffemissionen) werden eingehalten und oft deutlich unterschritten.

Treibhausgas- u. Abgasemissionen

Die Elektrofahrzeugflotte der 48er Copyright: MA 48
Abbildung 19 - Fahrzeuge der 48er mit alternativen Antrieben

Die wichtigsten Schadstoffe, die in die Atmosphäre gelangen, sind Feinstaub (PM10, PM2,5), Kohlenstoffoxide (CO, CO2), Stickstoffoxide (NO, NO2, NOx), Methan (CH4), Schwefeldioxid (SO2), Distickstoffmonoxid (N2O) und Ozon (O3). Diese Schadstoffe und Treibhausgase entstehen durch verschiedene Tätigkeiten der 48er, insbesondere durch Verkehr (Abfallsammlung, Straßenreinigung, Fahrzeugabschleppung usw.), Heizungsanlagen in Gebäuden, Industrieanlagen (Abfallbehandlung) und den Einsatz von Streumitteln im Winterdienst.

Die Emissionen aus dem Verkehr wurden in den letzten Jahren durch verschiedene Maßnahmen kontinuierlich reduziert. Dazu gehören beispielsweise der verstärkte Einsatz von Elektrofahrzeugen im PKW- und leichten Nutzfahrzeugbereich und die Verwendung von LKWs mit der höchsten Emissionsklasse EURO VI. Auch die Optimierung von Routen, Spritspartrainings, die Konzentration von Standorten zur Verringerung von Verkehrswegen und der Einsatz von Dienstfahrrädern haben zur Verringerung der Emissionen beigetragen.

Die Reduzierung der Emissionen in Gebäuden erfolgt durch thermische Sanierungen und den schrittweisen Umstieg von Gasheizungen auf Fernwärme oder effiziente Wärmepumpen.

In den Abfallbehandlungsanlagen, wie der Biogasanlage, dem Abfalllogistikzentrum oder der Anlage zur Behandlung von Verbrennungsrückständen, werden moderne Filtertechnologien eingesetzt, um die Emissionen in die Atmosphäre auf ein Minimum zu beschränken.

In der Straßenreinigung werden keine Laubbläser mehr verwendet, da sie die Feinstaubbelastung erhöhen würden. Stattdessen werden vermehrt elektrisch betriebene Geräte wie Motorsensen eingesetzt. Durch die Verwendung von Sole und Feuchtsalz sowie die Reduzierung von Streusplit im Winterdienst werden auch die Feinstaubemissionen verringert.

Die Deponierung von Abfall trug in der Vergangenheit erheblich zur Treibhausgasemission bei, aber seit 2008 (Deponieverordnung 2008) wird kein unbehandelter Abfall mehr deponiert, was die Methanemissionen auf ein absolutes Minimum reduziert hat. Das Methan, das dennoch aufgrund des zuvor abgelagerten Restmülls entsteht, wird gezielt erfasst, um Strom und Wärme zu produzieren.

Abfall

Zusätzlich zu den wichtigen Dienstleistungen der 48er für die Abfallwirtschaft der Stadt Wien entsteht natürlich auch innerhalb des Betriebs Abfall. Dies umfasst hauptsächlich hausmüllähnliche Abfälle, Altstoffe und gefährliche Abfälle. Auch innerhalb der 48er wird Abfall vermieden, wiederverwendet und getrennt gesammelt. Nicht gefährliche Abfälle werden im Rahmen des städtischen Sammelsystems gesammelt und entsorgt.

Die Maßnahmen zur Vermeidung innerbetrieblichen Abfalls sind vielfältig. Dazu gehören die Reduzierung des Papierverbrauchs in Büros, die Verwendung von Mehrweggeschirr, Büchertauschregalen oder Dauerkuverts, die Minimierung von Lebensmittelabfällen, die Verwendung von Leihputztüchern in Werkstätten und wiederverwendbaren Rädern bei Abfallbehältern sowie die Bereitstellung eines eigenen Regals im 48er-Tandler für Mitarbeiter*innen, um Altwaren abzugeben.

Die Behälterfamile der 48er bestehend aus Gelber Tonne, Altpapierbehälter, Biotonne, Altglas- und Restmüllbehältern Copyright: MA 48

Gefährliche Abfälle entstehen hauptsächlich in Werkstätten und werden, falls erforderlich, gemäß den geltenden Gefahrgutvorschriften (GefahrgutbeförderungsVO) transportiert und autorisierten Behandler*innen übergeben. Altmotoröl wird direkt von den Standorten, an denen es anfällt, von autorisierten Entsorger*innen abgeholt, um stofflich verwertet und zu neuem Motoröl verarbeitet zu werden. Ölabscheiderinhalte von Mistplätzen, Anlagen, Werkstätten und Garagen werden ebenfalls von autorisierten Betrieben fachgerecht entsorgt.

Böden

Bei der Nutzung von nicht versiegelten Böden oder Flächen wird stets darauf geachtet, dass diese nicht verschmutzt werden. Zum Beispiel werden auf dem Gelände der Abschleppgruppe wasserdurchlässige Ökosteine verwendet, die möglicherweise auslaufende Flüssigkeiten von geparkten Fahrzeugen absorbieren und speichern können. Zusätzlich werden Fahrzeuge, die Flüssigkeiten verlieren könnten, auf speziellen Plateauanhängern sicher gelagert.

In der Vergangenheit hat die 48er an einigen Standorten kommunale Abfälle deponiert, was dazu führte, dass diese Böden verschmutzt wurden. Diese Altlasten wurden entweder seit den 1980er Jahren saniert (die Verschmutzung wurde entfernt) oder durch fortlaufende technische Maßnahmen gesichert, um weitere Umweltverschmutzung zu verhindern.

Blick über die Deponie Rautenweg Copyright: MA 48
Abbildung 20 - Blick auf Wiener Skyline von der Deponie Rautenweg

Die Rückstände aus der Verbrennung von Abfällen (Asche und Schlacke) werden nach einer Weiterbehandlung sicher auf der Deponie Rautenweg gelagert. Dadurch wird verhindert, dass Schadstoffe den Boden negativ beeinflussen. Der größte Anteil der Schadstoffe befindet sich im Filterkuchen der Abfallverbrennung, der in Deutschland separat unter Tage deponiert wird.

Abwasser wird immer in die Kanalisation eingeleitet. An allen Standorten, an denen entsprechende Verschmutzungen auftreten können, werden Ölabscheider verwendet.

Energie, natürliche Ressourcen und Rohstoffe

Planung & Beschaffung

Bereits im Zuge der Planung von div. Vorhaben wird die größtmögliche CO2-Einsparung sowohl beim Bau selbst als auch im künftigen laufenden Betrieb angestrebt. Als derzeit häufigste Maßnahmen zählen die thermische Sanierung im Zuge von Umbauten, die Umrüstung der Beleuchtung auf LED, die Umstellung von Gas auf Fernwärme bzw. Wärmepumpe sowie die Errichtung von Photovoltaikanlagen.

Bei der Beschaffung von Ressourcen werden die „ÖkoKauf-Kriterien der Stadt Wien“ berücksichtigt. Dadurch werden Produkte möglichst umweltfreundlich eingekauft und verwendet. Auch werden zukunftsweisende Materialen z. B. Recyclingbeton geprüft und eingebaut, um daraus nachhaltige Erkenntnisse zu gewinnen. Die wichtigsten Kriterien dabei sind Schonung der Ressourcen, ökologische Produktion, Energieeffizienz, Reparaturfähigkeit, Vermeidung von Emissionen sowie gefährlicher und toxischer Materialien.

Energieaktionsplan

Der Umgang mit dem Energieverbrauch ist der 48er ein wichtiges Anliegen, weshalb es auch ein zertifiziertes Energiemanagementsystem gibt. Hierbei wird die Energieeffizienz der Bereiche Gebäude, Anlagen & Prozesse und Mobilität durch vielfältige Maßnahmen, welche jährlich im 48er-Energieaktionsplan festgeschrieben werden, kontinuierlich verbessert, um den Energieverbrauch zu senken.

Mobilität

Der Mobilitätsbereich benötigt mit Abstand die meiste Energie, allerdings konnten die gefahrenen km sowie der Treibstoffverbrauch in den letzten Jahren laufend verringert werden. Dies liegt einerseits an einer optimierten Logistik und Routenplanung sowie dem Einsatz von modernster Fahrzeugtechnologie (EURO VI). Andererseits wird der Fuhrpark ständig um Elektrofahrzeuge erweitert. Dadurch werden fossile Energieträger wie Diesel, Benzin oder Erdgas eingespart.

Energieerzeugung

Photovoltaikanlage auf der Deponie Rautenweg Copyright: MA 48
Abbildung 21 - PV-Anlage bei der Deponie Rautenweg

Bei den Anlagen und Gebäuden ist der Stromverbrauch in den letzten Jahren gesunken und die Anteile der Wärmebereitstellung konnten vom Gas zugunsten von Fernwärme und effizienten Wärmepumpen verschoben werden. Besonders hervorzuheben ist die Eigenproduktion von Energie. Durch die ständige Erweiterung unserer Photovoltaik-Anlagen (aktuell 28 Anlagen mit einer gesamten Nennleistung von ca. 2.200 kWp) konnte im Jahr 2023 749 MWh Strom erzeugt werden. Diese produzierte Energie wird entweder selber direkt am Standort genutzt oder in das öffentliche Stromnetz eingespeist.

Auch das Deponiegas ist eine wertvolle Energiequelle. Obwohl dieses, aufgrund der immer geringer werdenden Anteile organischen Materials im Deponiekörper, laufend weniger wird, konnten im Bezugsjahr 2023 beinahe 2.543 MWh Strom und 455 MWh Wärme durch einen externen Partner produziert werden.

Durch die Vergärung von biogenen Abfällen in der Biogasanlage wurden im Jahr 2023 über 4.100 MWh Wärme produziert und Biogas mit einem Energiegehalt von über 3.100 MWh durch einen externen Partner ins öffentliche Gasnetz eingespeist.

Auch in Zukunft wird der Weg der Produktion erneuerbarer Energie konsequent weiterverfolgt.

Hilfsstoffe

Für die Deponierung der Verbrennungsrückstände (Asche und Schlacke) aus den Wiener Müllverbrennungsanlagen auf der Deponie Rautenweg werden Sand und Zement als Hilfsstoffe benötigt. Dadurch entsteht ein sicheres, ablagerungsfähiges Stabilisierungsprodukt, welches die Schadstoffe der Verbrennungsrückstände langfristig bindet. Diese Mischrezeptur wird regelmäßig optimiert, um den Einsatz von Zusätzen zu reduzieren.

Sonstige Emissionen

Gerüche und Lärm sind zwei weitere Emissionen, die im Zusammenhang mit der Abfallentsorgung und -behandlung sowie dem Winterdienst auftreten. In Städten wie Wien, wo die Müllsammlung nahe an Wohngebieten stattfindet, ist die Kontrolle dieser Emissionen von entscheidender Bedeutung. Die Entsorgung von Restmüll und biogenen Abfällen kann an heißen Tagen unangenehme Gerüche verursachen. Daher ist es wichtig, dass diese Abfälle regelmäßig abgeholt und die Müllbehälter gereinigt werden, um Geruchsemissionen zu minimieren. Zusätzlich werden bei der Kompostierung Maßnahmen ergriffen, um Gerüche durch regelmäßiges Belüften zu reduzieren.

Ähnlich verhält es sich mit Lärmemissionen, die hauptsächlich während der Abfallsammlung und des Winterdienstes auftreten. Der Transport von Abfällen sowie das Beladen der Fahrzeuge können zu erhöhten Lärmentwicklungen führen. Um diese zu minimieren, werden spezielle Maßnahmen ergriffen, wie die Ausstattung der Mulden mit Gummirollen und die Vermeidung des Abwurfs in leere Mulden. Mitarbeiter*innen werden geschult, um den Umgebungslärm niedrig zu halten, und es werden geräuscharme Technologien wie elektrische Kehrmaschinen eingesetzt, insbesondere in innerstädtischen Gebieten.

Darüber hinaus werden neue Betriebsstätten außerhalb von Wohngebieten, vorzugsweise in Industriegebieten, angesiedelt, um die Belästigung für Anrainer*innen zu minimieren. Insgesamt sind die Maßnahmen zur Reduzierung von Gerüchen und Lärm im Rahmen der Abfallentsorgung und des Winterdienstes darauf ausgerichtet, die Lebensqualität in städtischen Gebieten zu verbessern und die Umweltbelastung zu minimieren.

Risiko

Durch das zertifizierte Risikomanagementsystem werden potentielle Risiken zu Vorfällen, aus welchen sich negative Umweltauswirkungen ergeben können, geringgehalten und laufend beobachtet. Umweltaspekte fließen in alle Risikobewertungen mit ein.

Biologische Vielfalt

Grünfassade der 48er-Zentrale Copyright: MA 48
Abbildung 22 - Grünfassade der 48er-Zentrale

Die Förderung der biologischen Vielfalt ist für die 48er vor allem durch die Schaffung von Lebensräumen für Tiere und Pflanzen gekennzeichnet. An den größten Standorten stehen beispielsweise fast 600.000 m² unversiegelter Grünflächen zur Verfügung. Zusätzlich gibt es über 11.500 m² Dachbegrünungen sowie die bekannte 850 m² große Grünfassade an der 48er-Zentrale.

Weitere Maßnahmen zur Erhaltung und Unterstützung der Biodiversität umfassen unter anderem die Bereitstellung von Brutplätzen an der Anlage zur Behandlung von Verbrennungsrückständen sowie Nistkästen am Gebäude der 48er-Zentrale. Die vielfältige Pflanzenauswahl der Grünfassade der Zentrale bietet zudem Insekten eine Nahrungsquelle inmitten der Stadt. Weiters wurden in den letzten Jahren vermehrt Blühwiesen bei Unterkünften der Straßenreinigung zur Förderung der Biodiversität angesetzt.

Pinzgauer Ziegen auf der Deponie Rautenweg Copyright: MA 48
Abbildung 23 - Ziegen auf der Deponie Rautenweg

Ein herausragendes Beispiel für den Schutz der biologischen Vielfalt ist die Deponie Rautenweg, wo ausschließlich die notwendigen Betriebsstraßen und Zwischenlagerflächen befestigt sind. Der Rest des begrünten Geländes steht der Fauna und Flora zur freien Verfügung und erweist sich aufgrund seiner speziellen Nutzung als äußerst vielfältig. Neben teilweise seltenen Pflanzenarten beherbergt die Deponie auch verschiedene Tierarten.