1.4 Hausmann
Personenbeschreibung
Martin ist 55 Jahre alt, wohnt in Simmering und ist Hausmann. Das bedeutet, dass er eine wichtige, aber unbezahlte Arbeit leistet. Er kocht, macht die Wäsche, erledigt den Einkauf und kümmert sich um alles, was im Haushalt anfällt. Außerdem sorgt er sich um alle, die zu seiner Familie gehören: seine Partnerin, seine Eltern und seinen Kater. Martins Partnerin heißt Ena und arbeitet als Ärztin. Sie ist oft unterwegs und hat lange Arbeitszeiten. Dafür reicht ihr Einkommen aber für beide aus. Ena und Martin leisten beide einen wichtigen Teil für ihr gemeinsames Leben und freuen sich, dass sie sich die Aufgabenteilung gemeinsam ausmachen konnten. Martins Eltern sind schon alt und nicht mehr so fit. Deswegen unterstützt er sie beim Einkauf oder beim Putzen. Und der Kater Schnurli braucht natürlich besonders viel Aufmerksamkeit. Martin war selbst lange im Krankenstand. Als er sich dafür entschied, auch nach dem Krankenstand zuhause zu bleiben, wurde er von vielen nicht ernst genommen. „Warum arbeitest du nicht richtig?“ oder „Ist das nicht Frauensache?“. Martin muss gut auf sich achten, weil er oft sehr viel arbeitet. Hausmann zu sein kann anstrengend sein. Er wünscht sich, dass mehr Menschen erkennen, wie wichtig es ist, sich zu kümmern. Diese Arbeit nennt man auch Care-Arbeit, also Fürsorgearbeit. Er fragt sich oft, wie die Welt wäre, wenn mehr Menschen genau das machen würden: sich um andere kümmern und davon auch leben zu können.
(Hierbei handelt es sich um eine erfundene Personenbeschreibung.)
Jobbeschreibung
Die Arbeit von Menschen, die sich um den Haushalt und Angehörige kümmern, ist enorm wichtig. Sie ist Voraussetzung für unser gemeinsames Leben. Und trotzdem wird sie meistens nicht bezahlt. Ob man Geld bekommt, hängt von der Situation ab. Manche haben zum Beispiel ein Recht auf Familienbeihilfe oder Anspruch auf Pflegegeld. In den meisten Familien leisten Frauen mehr Hausarbeit als Männer. Mehr als die Hälfte der gesamten Arbeitszeit von Frauen bleibt unbezahlt. Bei Männern liegt die Zahl bei einem Drittel. Hausarbeit wird dabei oft nicht als Arbeit gesehen. Deshalb spricht man auch davon, dass diese Arbeit unsichtbar ist. Das kann eine große Belastung sein. Über neun von zehn Müttern geben an, dass sie sich wünschen, dass die Aufgaben im Haushalt gerechter aufgeteilt werden. Drei Viertel der Väter geben an, zufrieden mit der Situation zu sein. Auch in Wien ist es noch immer so, dass vor allem Frauen die Hausarbeit übernehmen: 2021 teilten sich ungefähr die Hälfte der Paarhaushalte die Hausarbeit gleich auf. In ungefähr 40 % übernahmen jedoch überwiegend Frauen diese unbezahlte Aufgabe. Nur in ungefähr 7 % der Paarhaushalte war der Mann für den Großteil der Hausarbeit zuständig. Auch wenn der Unterschied nicht ganz so groß ist wie bei der Hausarbeit, pflegen und betreuen in Wien auch mehr Frauen pflegebedürftige Erwachsene. Viele der Menschen, die Hausarbeit verrichten, arbeiten zudem auch noch außerhalb ihres Zuhauses. Weil die Hausarbeit aber viel Kraft kostet, gehen vor allem viele Frauen einer Teilzeit-Arbeit nach. Das bedeutet, dass sie weniger verdienen und weniger vorsorgen können. Fast jede zweite Frau arbeitet in dieser Form, bei Männern nur ungefähr jeder siebte.
Ausbildungswege
Es gibt keine spezielle Ausbildung für Menschen, die Fürsorge- und Hausarbeit leisten wollen. Wenn Menschen bereit sind sich um sich und andere zu kümmern, kann die Arbeit zu Hause gerechter aufgeteilt werden. Es ist entscheidend, dass alle Menschen die gleichen Möglichkeiten haben, sich weiterzuentwickeln und Verantwortung zu übernehmen. Gerade Menschen, die sich zuhause um pflegebedürftige Personen kümmern, kann neues Wissen und Unterstützung sehr helfen. So können sie besser verstehen, wie man mit bestimmten Krankheiten umgehen sollte oder wie man sich selbst nicht überlastet. Dazu bietet die Stadt Wien viele Angebote, in denen sich pflegende Menschen informieren und auch austauschen können.