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5.3 Berufswünsche, Berufswahl und Art der Beschäftigung

5. Junge Wiener*innen am Arbeitsmarkt

Die Entscheidung für bestimmte Bildungswege und Berufskarrieren wird noch immer stark vom sozio-ökonomischen Status, vom Geschlecht und auch von der Staatsangehörigkeit, bzw. von der Herkunft der Eltern beeinflusst.

Der jüngst publizierte Bericht der OECD „The State of Global Teenage Career Preparation“ hebt hervor, dass die Erwartungen jugendlicher Schüler*innen in Österreich an ihre zukünftige Berufslaufbahn nicht gut mir ihren geplanten Bildungsabschlüssen zusammenpassen. So stellen sich viele Jugendliche einen Job vor, für den mindestens ein Bachelorabschluss nötig wäre, planen aber schon früher das Bildungssystem zu verlassen. Bei Jugendlichen aus sozio-ökonomisch privilegierten Haushalten weisen nur rund 20 % solch eine Fehleinschätzung auf, bei jungen Menschen aus sozio-ökonomisch schlechter gestellten Haushalten sind es 40 %.

Die Zahlen des Bildungsbezogenen Erwerbskarrierenmonitorings (BibEr) zeigen, dass der Gender Gap in Berufen mit starker geschlechtlicher Trennung (z. B. Friseurgewerbe und Schönheitspflege, Sekretariats- und Büroarbeit, Maschinenbau und Metallverarbeitung, Elektrizität und Energie) zwar kleiner wird, allerdings nur sehr langsam. Von einem Schließen des Gender Gaps kann noch länger keine Rede sein.

Bei der Berufswahl sind Unterschiede nicht nur nach Geschlecht, sondern auch nach Staatsangehörigkeit feststellbar. Jugendliche und junge Erwachsene mit ausländischer Staatsangehörigkeit arbeiten in Österreich öfter in Dienstleistungsberufen (31,6 %) als österreichische Staatsangehörige derselben Altersgruppe (25 %). Der Unterschied zwischen den beiden Gruppen ist bei Erwerbstätigen ab dem Alter von 25 Jahren nicht mehr so deutlich und beträgt nur noch 4 Prozentpunkte. Besonders eklatant ist der Unterschied bei Hilfsarbeitskräften. Nur 3,8 % der österreichischen jungen Erwerbstätigen arbeiten als Hilfsarbeitskräfte, unter jungen Erwerbstätigen mit nicht-österreichischer Staatsangehörigkeit sind es 13,3 %. Umgekehrt arbeiten mit 21,4 % besonders viele junge österreichische Staatsangehörige in technischen Berufen, aber nur 13,5 % der nicht-österreichischen jungen Erwerbstätigen. Der Unterschied in dieser Branche nimmt mit dem Alter der Erwerbstätigen zu.

Auch bei den Lehrlingen lässt sich erkennen, dass bei der Wahl des Lehrberufs sowohl Geschlecht als auch Staatsangehörigkeit eine wichtige Rolle spielen. Während Burschen und junge Männer häufiger in Gewerbe und Handwerk ihre Lehre absolvieren, entscheiden sich Mädchen und junge Frauen öfter für eine Lehre im Handel oder in der Tourismuswirtschaft. Mädchen und junge Frauen treten ihre Lehre außerdem besonders häufig bei „sonstigen Lehrberechtigten“ an. Dabei handelt es sich zum Beispiel um den öffentlichen Dienst in Bund, Ländern und Gemeinden, Rechtsanwaltskanzleien, Arztpraxen oder Apotheken.

Besonders auffällig ist, dass Jugendliche und junge Erwachsene aus Drittstaaten im Vergleich zu Jugendlichen und jungen Erwachsenen aus anderen Herkunftsländern/-regionen zu großen Anteilen eine überbetriebliche Lehre absolvieren. Die überbetriebliche Lehre ist für jene jungen Menschen gedacht, die trotz aller eigener Bemühungen keine Lehrstelle finden.

Abb. 24: Anteil der männlichen Lehrlinge nach Fachsparte und Staatsangehörigkeit in Wien 2024 (in Prozent)

Abb. 25: Anteil der weiblichen Lehrlinge nach Fachsparte und Staatsangehörigkeit in Wien 2024 (in Prozent)

Jugendliche und junge Erwachsene finden sich öfter in Teilzeitarbeitsverhältnissen als alle anderen Altersgruppen im erwerbsfähigen Alter. Dies trifft insbesondere auf Jugendliche und junge Erwachsene mit nicht-österreichischer Staatsangehörigkeit zu. Hier liegt die Teilzeitquote bei 32,8 %, während sie bei jungen Menschen mit österreichischer Staatsangehörigkeit bei 29,7 % liegt. Im Bereich der Teilzeitarbeit gibt es in Österreich immer noch eine große Kluft zwischen den Geschlechtern – 2025 beträgt die Teilzeitquote für Frauen 51,1 % und 13,7 % für Männer.

Daten des Säulemdiagramms Semikolon-separiert: 

;Alter (von bis);15-24;25-34;35-44;45-54;55-64
Männlich;Österreichische Staatsbürgerschaft;21,4%;13,0%;9,6%;8,3%;13,7%
Männlich;Andere Staatsangehörigkeit;26,6%;15,8%;10,7%;7,2%;9,7%
Weiblich;Österreichische Staatsbürgerschaft;38,8%;42,5%;61,5%;53,5%;53,9%
Weiblich;Andere Staatsangehörigkeit;40,5%;45,0%;52,4%;46,1%;42,6%
Insgesamt;Österreichische Staatsbürgerschaft;29,7%;27,4%;35,0%;30,6%;31,6%
Insgesamt;Andere Staatsangehörigkeit;32,8%;29,0%;29,5%;27,5%;23,8%

Abb. 26: Teilzeitquoten nach Alterskohorten, Geschlecht und Staatsangehörigkeit (in Prozent)

Eine Besonderheit von Jugendlichen und jungen Erwachsenen am Arbeitsmarkt ist eine überdurchschnittliche Dynamik. Der Arbeitskräfteumschlag, also der Anteil jener Jugendlichen und jungen Erwachsenen, die innerhalb eines Jahres zwischen Beschäftigung, Ausbildung und Arbeitslosigkeit oder zwischen zwei Arbeitsstellen wechseln betrug 2023 laut Bundesministerium für Arbeit und Wirtschaft rund 100 %. Für Jugendliche und junge Erwachsene ist es also völlig normal öfter den*die Arbeitgeber*in zu wechseln oder auch einen neuen Weg im Berufsleben einzuschlagen.