4.4 Baustoffe
Grundsätzlich sind alle Werkstoffe aufeinander abzustimmen. Folgende Aspekte müssen genauer betrachtet werden:
- Verwendung gleicher Legierungen (Korrosion)
- Dimensionierung der statisch belasteten Baustoffe
- Witterungsbeständigkeit
- UV-Beständigkeit (Duktilität, Verfärbung)
- ökologische Aspekte (Herstellung, Nachhaltigkeit, ...)
- Brandschutz
Werkstoff Metall
Bei vielen Fassadenbegrünungssystemen werden Metallbehälter (Edelstahl) für das Substrat und als Befestigung von Rankhilfen eingesetzt. Generell weist Metall gute Eigenschaften bezüglich seiner Beständigkeit und Stabilität auf, es ist jedoch auf Korrosionsschutz und die Verwendung gleicher Legierungen und hochwertiger Materialien zu achten. Komponenten aus Edelstahl dürfen nicht mit minderen Metallen (z. B. verzinkten Seilen) verbaut werden, da es andernfalls zu Kontaktkorrosion kommt. Starke Temperaturschwankungen des Materials können zu Schäden an der Pflanze führen. Zusätzlich ist mit höherem Gewicht zu rechnen als bei anderen Materialien.
Werkstoff Holz
Der Werkstoff Holz ist bei Fassadenbegrünungen für Kletterhilfen nur bedingt geeignet. Die Holzart ist auf die vorgesehene Nutzungsdauer abzustimmen. Holz eignet sich vor allem für Konstruktionen von Obstspalieren, wobei die maximale Höhe auf ein bis zwei Stockwerke beschränkt ist. Um eine lange Haltbarkeit zu gewährleisten ist ein konstruktiver Holzschutz empfohlen, chemische Behandlung sollte vermieden werden.
Links: verfärbter Stahl durch rostendes Eisen | © FASSADENGRÜN, Mitte: rostender, verzinkter Wandhalter |
© FASSADENGRÜN, rechts: Holz als Kletterhilfe | © Pixabay
Werkstoff Kunststoff/Glasfaserverbundwerkstoffe (GFK-Profile)
Bei der Verwendung von Kunststoffen als Kletterhilfen ist, insbesondere bei direkter Sonneneinstrahlung, auf UV-Beständigkeit zu achten. Außerdem ist es aus ökologischen Gründen wichtig, dass alle Systemkomponenten und Verpackungen sowie Transporthilfen frei von PVC sind (ÖkoKauf Wien, 2015). Glasfaserverbundstoffe haben den Vorteil, dass sie sehr leicht sind (leichter als Aluminium) und eine hohe Belastbarkeiten aufweisen (Zug-, Biegefestigkeit).
Halterungen, Dübel, Anker
Bei außen angebrachten Wärmedämmungen ist der Abstand zur tragenden Wand größer. Dies führt dazu, dass entweder mehr oder größer dimensionierte Befestigungspunkte benötigt werden. An den Verankerungen entstehen Wärmebrücken. Solche sind durch gezielte Maßnahmen, wie die Isolierung der Ankerpunkte, zu minimieren. Die thermische Trennung von Verankerung und Wand kann Wärmebrücken einschränken. Ungeeignete Systeme können Schäden an der Fassade hervorrufen und/oder in weiterer Folge die Wirkung der Wärmedämmung beeinträchtigen und zu einer Durchfeuchtung der Bausubstanz führen.
Fassadenoberfläche
Nicht als Untergrund für Selbstklimmer geeignet sind biozidhaltige Anstriche, Dispersionsfarben, elastische Wandbeschichtungen, Glas, sandende Oberflächen, frischer Betonputz und Kunststoff-Fassaden. Diese Materialien sollten vermieden werden, da sie den Pflanzen nicht ausreichend Haftung bieten. Laut ÖNORM L 1136 ist sicherzustellen, dass sich die Oberfläche der zu begrünenden Fläche eignet – eine intakte Gebäudeoberfläche ist eine Grundvoraussetzung für Selbstklimmer. Nach FLL (2018) sind folgende Punkte zu prüfen: die statische Belastbarkeit der Außenhaut, die pflanzenphysiologische Eignung des Haftgrunds sowie die Gefahr eines unerwünschten Hinterwachsens.
Folgende Wandaufbauten werden in der Fachliteratur als eher ungeeignet für Selbstklimmer beschrieben:
- Glas
- Kunststoff oder kunststoffbeschichtete Oberflächen
- Metall
- Holz
- keramische Materialien
- Photovoltaik-Paneele
- sandige Flächen
- stark reflektierende Flächen
- dunkle Oberflächen
Als geeignete Untergründe für Selbstklimmer gelten:
- Betonuntergründe gemäß ÖNORM B 4710-1
- Ziegeluntergründe gemäß ÖNORM EN 771-1 und ÖNORM B 3200
- Hohl- und Vollblocksteine gemäß ÖNORM EN 771-3 und 771-5
- Holzuntergründe gemäß ÖNORM B 2215
- Untergründe aus profilierten Blechen, Mindestdicke 0,75 mm
- sonstiges Bestandsmauerwerk
- Wärmedämmverbundsysteme (WDVS), sofern deren Komponenten auf die Tragfähigkeit für Kletterpflanzen ausgerichtet sind
Fassadengebundene Begrünungssysteme erfordern eine fachgerechte Abdichtung der Fassade – sowohl gegen Feuchtigkeit als auch gegen das Eindringen von Wurzeln. Üblicherweise sind diese Schutzfunktionen bereits im Systemaufbau enthalten.