3.2 Einteilung der Kletterpflanzen nach Wuchsform
Oftmals ist es standortbedingt nicht möglich, alle Anforderungen hinsichtlich Licht, Temperatur, Wasser und Nährstoffe zu erfüllen, weshalb insbesondere die letzten beiden Faktoren gesteuert werden müssen, um möglichen Mängeln vorzubeugen (KÖHLER, 2010). Genaue Angaben hinsichtlich der Güte und der Beschaffenheit von Pflanzenmaterial können der ÖNORM L 1110 (2017) „Pflanzen – Güteanforderungen, Sortierungsbestimmungen“ entnommen werden.

Einteilung der Wuchsformen von Kletterpflanzen nach Angaben der Forschungsgesellschaft Landschaftsentwicklung Landschaftsbau e.V. (FLL), 2020
Pflanzen für bodengebundene Begrünungen
Die bodengebundene Fassadenbegrünung stellt bereits seit Jahrhunderten eine nachhaltige, kostengünstige sowie meist auch pflegeleichte Begrünungsform dar. Zum Einsatz kommen dabei vor allem Kletterpflanzen mit gehölzartiger Struktur, wie etwa der Wilde Wein. In bestimmten fassadengebundenen Systemen mit entsprechend großen Troglösungen gedeihen diese ausdauernden Pflanzen ebenfalls hervorragend.

Häufig verwendete Kletterpflanzen:
Pflanzenart | Lichtanspruch | Kletterform | Wuchshöhe (m) und Wüchsigkeit | Flächengewicht der Pflanze (kg/m²) *) | Gesamtgewicht der Pflanze (kg) *) | Anmerkungen |
|---|---|---|---|---|---|---|
Pfeifenwinde | Aristolochia macrophylla | sonnig-halbschattig | S | 8–10 m| stark | 8–10 kg/m² | 340 kg | verlangt ausreichend Bodenfeuchtigkeit |
Gemeine Waldrebe | Clematis vitalba | sonnig-halbschattig | RB | 12–14 m| sehr stark | 10–14 kg/m² | 670 kg | große Unterschiede zwischen einzelnen Arten, meistens eher kleinwüchsig und an einem geschützten Standort |
Schling-Knöterich | Fallopia aubertii | sonnig-halbschattig | S | 8–15 m | stark | 8–10 kg/m² | 610 kg | stark schlingend, lichtfliehende Triebe |
Efeu | Hedera helix | halbschattig-schattig | WK | 25–30 m| stark | 10–50 kg/m² | 2.230 kg | immergrün, lichtfliehende Triebe, geschützter Standort, die zweite Art H. colchica ist deutlich schwachwüchsiger |
Immergrünes Geißblatt | Lonicera henryi | halbschattig-schattig | S | 6–8 m| stark | 6–9 kg/m² | 160 kg | auch nicht immergrüne Arten sind erhältlich, ebenfalls stark wüchsig z. B. L. japonica |
Mauerkatze | Parthenocissus tricuspidata | sonnig-halbschattig | RH | 15–20 m| sehr stark | 10–15 kg/m² | 1.510 kg | allerorts verbreitet, rote Herbstfärbung |
Wilder Wein | Parthenocissus quinquefolia | sonnig-halbschattig | RS | 15–20 m | stark | 13–15 kg/m² | 800 kg | Achtung, manche Sorten – z. B. „Engelmannii“ bilden Haftscheiben aus! |
Blauregen | Wisteria floribunda | sonnig | S | 12 m | stark | 14–22 kg/m² | 740 kg | deutlich schwächer wüchsig als die Art W. sinensis |
Blauregen | Wisteria sinensis | sonnig | S | 8–30 m | | 24–42 kg/m² | 3.920 kg | deutlich stärker wüchsig als die Art W. floribunda |

Selbstklimmer
Selbstklimmer können eigenständig, ohne technische Hilfsmittel, an Bauwerken emporwachsen. Der Wilde Wein (Parthenocissus tricuspidata) kann sich mithilfe seiner Haftscheiben sogar an glatten Oberflächen festhalten. Bei ausreichend rauen Oberflächen kann auch der Wurzelkletterer Efeu (Hedera helix) ohne Hilfe vertikal wachsen. Durch diese Eigenschaften sind Fassadenbegrünungen möglich, die kaum bauliche Maßnahmen erfordern.
Bei Selbstklimmern ist zwischen Pflanzenarten mit Haftscheiben (beispielsweise Wilder Wein) und Haftwurzeln (beispielsweise Efeu) zu unterscheiden (siehe Einteilung der Wuchsformen).
Häufig verwendete Selbstklimmer:
- Efeu | Hedera helix
- Mauerkatze (Veitchii) | Parthenocissus tricuspidata
- Wilder Wein fünfblättrig | Parthenocissus quinquefolia
- Kletterhortensie | Hydrangea petiolaris
- Trompetenblume | Campsis sp. (artspezifisch)
Neben den Selbstklimmern gibt es noch weitere Wuchsformen, die sich zwar eigenständig festhalten können, dafür allerdings eine Kletterhilfe benötigen. Bevor man mit der Begrünung beginnt, sollte man sich vergewissern, dass sich die Fassade in einem bautechnisch geeigneten und schadlosen Zustand befindet.

Nach dem Absterben der Pflanze oder durch ihre Entfernung können die Haftorgane Reste an der Wand zurücklassen. Auch kann es passieren, dass Selbstklimmer an manchen Untergründen, z. B. an nicht geeigneten Farbanstrichen oder stark sandenden Oberflächen, nicht haften und sich Pflanzenteile von der Fassade lösen.
Gerüstkletterer
Diese Kletterpflanzen benötigen Kletterhilfen an der Bauwerkshülle, um sich daran festzuhalten. Der Fachhandel bietet Rankhilfen für jede Wuchsform sowie für fast alle erdenklichen Wuchsmuster. Bei der Planung müssen Rankhilfe und Pflanze aufeinander abgestimmt werden, da falsche Kletterhilfen zu Misserfolgen, vor allem im äußeren Erscheinungsbild sowie im Nutzen (Schattenspende), führen können (siehe nachfolgende Abbildung). Bei der Wahl des Ranksystems ist darauf zu achten, dass dieses auf die Pflanzenphysiologie abgestimmt ist. Das bedeutet, dass bei der Verwendung von Rankern der Querschnitt der Kletterhilfe so bemessen sein muss, dass er von der Pflanze umrankt werden kann. Überdies müssen Seile so ausgebildet sein, dass auch schwach schlingende Pflanzen festen Halt haben und nicht abrutschen.

Die Variationen an Kletterkonstruktionen sind kaum begrenzt und erlauben gestalterische Freiheit und Kreativität.